Karrierefalle Internet oder der googelnde Personalchef

März 24, 2008

Nachtrag: Google und die Personensuche

Gespeichert unter: Uncategorized — mthomi @ 8:46

Ich werde noch einmal kurz auf mein letztes Blogthema eingehen und dabei versuchen, die Fragen, die im Kommentar dazu aufgetaucht sind, zu beantworten.

  • „Was mich etwas stutzig gemacht hat ist, dass du das Telefonbuch von Google mit in deinen Blogeintrag genommen hast. Auf Telefonauskünfte habe ich ja schon länger Zugriff via Internet – wo ist dann der Mehrwert des Google Phonebooks?“

Mit Google Phonebooks bin ich zugegebenermassen ein wenig vom Thema abgekommen. Den Zusammenhang sehe ich in der Personensuche an sich und der Tatsache, dass nach wie vor Google die wichtigste Suchmaschine für alle Belange ist. Mit dem Beispiel Phonebooks wollte ich zeigen, dass Google uns die unterschiedlichsten Informationen, die über eine Person im WWW zu finden sind, schön kompakt als Resultat liefert. Mit Phonebooks hat nun Google die Kontrolle über einen weiteren Bereich. Und wer sagt mir, dass Google nicht bald andere Ergebnisse, die sich über mich finden lassen, miteinander und mit Phonebooks verknüpft? Erstellt Google bald ein Personalienblatt, sobald ich nach einer Person suche?

  • „In welchem Zusammenhang steht es dann mit dem googlenden Personalchef? Braucht er es wirklich zur Überprüfung des Wahrheitsgehalts meiner Daten?“

Natürlich gibt es den Personalchef nicht. Ich möchte mich daher auch vor Verallgemeinerungen distanzieren. Aber ich denke schon, dass es Personalchefs Berwerber im Internet suchen. Das muss nicht einmal in der Absicht, Diffamierendes zu finden, geschehen. Vielleicht möchte sich der Personalchef aus Interesse die Website eines Bewerbers anschauen, hat die genaue Adresse gerade nicht zur Hand und versucht es bei Google – wo er neben der gesuchten Website auch Fotos des betrunkenen Bewerbers am Oktoberfest findet.

  • „Aber als „braver“ Bürger, der keine Falschdaten angibt, habe ich auch nichts zu befürchten – oder?! „

Das stimmt natürlich. Wenn ich in meiner Bewerbung alles richtig angebe, habe ich hinsichtlich des Wahrheitsgehalts nichts zu befürchten. Vielleicht gibt es aber Dinge, die im WWW über mich zu finden sind, die ins Privatleben gehören und nicht ins Geschäftsleben – und die dort auch bleiben sollen. Es muss sich dabei nicht einmal um „peinliche“ Daten handeln. Jedem Personalchef muss klar sein, dass sich seine Mitarbeiter und dementsprechend auch seine Bewerber mal betrinken und sich dabei nicht comme il faut verhalten. Aber das Wissen darum ist eine Sache. Fotos oder andere Beweise sehen eine andere. Was ins Privatleben gehört, soll dort bleiben. Es gibt einen Grund, wieso Privat- und Geschäftsleben seit jeher getrennt sind.

Zu befürchten in dem Sinn hat einer, der die Wahrheit schreibt, nichts. Aber er hat ein Recht darauf, dass Privates auch privat bleibt.

  • „Denkst du, dass sich diese Art nach Personen zu suchen so einbürgern wird, dass es zu einem Teil unserer alltäglichen Kultur wird? Oder ist es bereits soweit?

Dazu ein Auszug aus einem Artikel, veröffentlicht auf der Seite des Westdeutschen Rundfunks WDR: „Für eine Studie der BDU und einer Wirtschaftszeitung wurden 300 Entscheidungsträger aus Personalberatungsgesellschaften befragt, ob sie beispielsweise schon einmal Informationen über einen Bewerber über Google oder andere Suchmaschinen gesucht hätten. Das Ergebnis: 28 Prozent nutzen die Internetsuche. Rund 26 Prozent gaben an, dass sie bereits Kandidaten nach dem Suchergebnis nicht weiter berücksichtig hätten.“

2 Kommentare »

  1. Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen. Ich denke die Auseinandersetzung mit spezifischen Fragestellungen kann für die weitere Bearbeitung des Themas sehr wertvoll sein. Zur letzten Frage bezüglich Kultur – es ist schon sehr erstaunlich wie langsam und schleichend sich die Personensuche in unserem Alltag integriert. Und dennoch bin ich noch nicht davon überzeugt, dass dies im Arbeitsalltag wirklich systematisch eingesetzt wird. Deshalb würde mich (wie schon in einem früheren Kommentar erwähnt) interessieren wie das Arbeitgeber in der Praxis machen. Also eine kleine Umfrage bei Unternehmen zu dem Thema wäre sehr spannend. Gibt es vielleicht schon eine Studie zum Thema?

    Hier noch ein Link zu einer neuen Personensuchmaschine, in welcher ich dich inkl. Photo gefunden habe:-) :

    http://www.123people.com/

    Noch 2 Blogs die für deinen Blogroll interessant sein könnten:
    http://blog.doubleslash.de/2007/09/10/die-personensuche-und-der-glaserne-user/
    http://identity20.wordpress.com/

    Kommentar von bletin — April 2, 2008 @ 8:59 | Antworten

  2. Das Ergebnis von yourtraces.com (http://www.youtraces.com) zeigt beispielhaft, wie das Internet gezielt genutzt werden kann, um Informationen über Personen zu finden.

    Kommentar von Bruno — Juni 5, 2008 @ 5:56 | Antworten


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